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Etwas über die Kunst von Karin Meinel Der Horizont ist eine Art Grenze, an der normalerweise das Land unserer Wahrnehmung und Wirklichkeit endet. Karin Meinel versucht, auf verschiedene Weisen diese Beschränkung des Gesichtskreises zu überschreiten, zu durchbrechen und durchlässig zu machen. In den land-e-scapes wurde der einzige Horizont aufgehoben, indem in einem Bild verschiedene Horizontebenen die Trennung in Erde, Meer und Himmel verdichteten und umdeuteten. In Blick über den Horizont versuchen die weiblichen Figuren nicht nur den Horizont zu überklettern, sondern mancher gelingt es wohl sogar im Sprung die Ebenen von gelebter Realität, erfahrenem Traum und der Vision des noch Unerkennbaren zu vereinen. Die Periode des Fotoirrealismus gewann gegenüber der Zweidimensionalität der glatten Fotografie in den Fotoobjekten ein neues Volumen oder unter der Oberfläche des abgebildeten Gegenstandes etwa durch Kaschierung eine weitere Ebene. Zur Malerei zurückgekehrt, entstanden die Bilder der flüssigen und der verborgenen Horizonte. Und im Sommer 2007 geht die gerade Linie des Horizonts in den Marizonten endgültig oder vorläufig verloren, bläht sich auf oder treibt wie ein Ballon in den Wogen. Auf der Biennale 2007 in Venedig wurde eine fünfteilige Filmsequenz von Yang Fu Dong gezeigt mit dem Titel „Sieben Intellektuelle im Bambuswald“, die zwar nie einen Bambuswald durchstreifen, sich aber als Gruppe und jede und jeder auf ihre Weise in der Wirklichkeit fremd fühlen und, wie es scheint, die Ortung verlieren. Ihre Welt ist ihnen zu weit oder eng geworden, oder ist es der Horizont, der sich schneller um sie dreht? Ein Gesicht aus dieser Filmserie ist zu Lie Pling geworden – auf der Suche nach den Dingen vor und hinter dem Horizont. Und in ihren Zügen, wie auch auf anderen Portraits, wie dem olmekischen Kinderkopf aus vorchristlicher Zeit oder dem außerhalb der Vernunft versonnenen Manuel oder den Schaumgeborenen Carina und Matilda, spiegelt sich kein verbissener Ehrgeiz, kein zielbewusstes Bemühen, sondern Gelassenheit und ein im Schweben sich findendes Selbst-Verständnis.
dr.uwe bennholdt-thomsen, september 2007
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