Fotoirrealismus und Stadtobjekte

Groß St. Martin
zu zerbrochene Stille
zu Bolivar
südbrücke
zu Klangfarbe
Irgendjemand kam...
doppelte Südbrücke

Fotoirrealismus

Ähnlich wie in den früheren Werkgruppen “land-e-scape”, “Blick über den Horizont” oder “Echo des Wassers” versucht Karin Meinel Aufbruch, Einsturz und Eruptionen an den Schnittflächen zwischen Realität und Wahrnehmung zu ergründen.

“In der nicht selten überraschenden Kombination von Fotografie und Ölmalerei verschwindet das scheinbar Reale. Eine neue Fokussierung des Horizonts muss geleistet werden, das Vertraute, Alltäglich-Zufällige verliert an Bedeutung. Der Betrachter ist zur Grenzüberschreitung herausgefordert, um neue Denkorte zu sehen und zu finden.”

In den jüngsten Arbeiten des “Fotoirrealismus” ist es die fotografische Oberfläche, die durchbrochen wird und aus deren figurativer Substanz Karin Meinel neue bildnerische Dimensionen gewinnt.

Ein Foto dient als Malgrund wie eine Leinwand oder ein Bogen Papier. Es wird bearbeitet, bis sein glattes Oberflächenbild durch Verknitterungen, Verfärbungen und Verkleisterungen eine Dichte und Tiefe erhält, die ihm eine eigene Qualität geben. Oder es dient als Material für ein plastisches Objekt, den “aufgeblasenen” Kölnturm, die Rheinbrücke oder das mexikanische Jesuskind, wobei das Bild aus der Zwei- in die Dreidimensionalität hineinwächst.

Die Wirklichkeitsnähe des fotografischen Abbilds wird durchdrungen und aufgebrochen, an den Schnitträndern entstehen im malerischen Prozess neue Deutungen und Gesichter. Auf dem Pfad zwischen Foto und Malerei erwachsen aus dem gleichen Motiv gänzlich unterschiedliche Charaktere und Ausdrucksformen. Die scheinbar objektive Wiedergabe des Fotos und die malerische Phantasie verbinden sich in einer bildnerischen Symbiose, deren Ergebnis der Fotoirrealismus ist.

Dr.Uwe Bennholdt-Thomsen

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